Über das Thema Amalgam wird bereits seit Jahren heftig diskutiert. Das Füllungsmaterial sorgt immer wieder für großen gesundheitspolitischen Konfliktstoff.
Von Seiten der Amalgamgegner wird auf die mögliche Quecksilberfreisetzung und
Gesundheitsgefährdung hingewiesen, während die Befürworter diese Aussagen als falsch deklarieren und auf die gute langjährige Bewährtheit dieses Füllungsmaterials verweisen.
„Toxische Zeitbombe“ und „Sondermüll im Mund“ sind nur einige der Schlagwörter, die man in den Medien finden kann:
Was ist nun richtig: Giftige Metalllegierung oder gutes Füllungsmaterial?
Hier wollen wir Ihnen kurz die wichtigsten Informationen zusammenfassen:
Amalgam ist eine Legierung („Gemisch“) aus Silber, Kupfer, Zinn, Zink und Quecksilber und wird seit 150 Jahren als Füllungsmaterial in der Zahnheilkunde eingesetzt.
Quecksilber ist als Naturstoff in der
Erdkruste enthalten und auch in der Atmosphäre vorhanden (z.B. verursacht durch Vulkane oder die Verbrennung fossiler Brennstoffe). Auch verschiedene Nahrungsmittel (z.B. Thunfisch) enthalten Spuren von Quecksilber. Quecksilber selbst
ist ohne Zweifel gesundheitsschädlich, doch wie verhält es sich mit dem gebundenen Quecksilber im Amalgam?
Es geistern eine Vielzahl von unspezifischen Krankheitssymptomen durch die Presse im Zusammenhang mit der Amalgamdiskussion:
Müdigkeit, Kopfschmerzen, Konzentrations-schwäche, Muskel-, Gelenk- und Gliederschmerzen, Taubheitsgefühl, Haarausfall, Lähmungen, Nervenleiden...
Doch, das sei betont, für keines dieser Symptome ist bisher ein wissenschaftlicher Beweis für den Zusammenhang mit Amalgamfüllungen erbracht.
Fakt ist:
Beim Einbringen von Amalgam in den Zahn entstehen Dämpfe. Diese Dämpfe
- das bestreiten selbst die Amalgambefürworter nicht - können in hohen Konzentrationen zu Gesundheitsschädigungen führen. Jedoch selbst bei
sehr vielen Füllungen sind die entstehenden Konzentrationen für den Patienten vernachlässigbar gering und weit entfernt von toxischen Dosen. Für das zahnärztliche Personal allerdings summieren sich im Laufe des beruflichen
Alltags erhebliche Belastungen.
Auch beim Entfernen von Amalgamfüllungen entstehen diese Dämpfe. Um die Belastungen für alle beteiligten Personen
so gering wie möglich zu halten, werden entstehende Dämpfe mit Wasserspray gebunden und mittels großer Sauger aufgefangen. Nach dem aktuellen wissenschaftlichen Stand sind bei fachgerechter Anwendung für den Patienten
keine Gesundheitsschädigungen durch das Material Amalgam zu befürchten!
Es ist jedoch auch wissenschaftlich belegt, dass beim täglichen Kauen von Nahrung stets geringe Bestandteile der
Füllungsoberfläche abgetragen werden und sich so bei Personen mit Amalgamfüllungen (und bei Zahnärzten) höhere Quecksilberkonzentration in Speichel und Urin nachweisen lassen als bei Personen ohne Amalgamfüllungen. Doch ob
diese Auswirkungen auf die Gesundheit haben ist ungeklärt. Die DGZMK (Deutsche Gesellschaft für Zahn- Mund- und Kieferkrankheiten) sieht in Ihrer aktuellen Stellungnahme lediglich bei Personen mit einer nachgewiesenen
Amalgamallergie und einer Niereninsuffizienz Amalgam für nicht angezeigt. Auch bei Kindern unter 6 Jahren und bei Schwangeren sollte Amalgam nicht angewendet werden. Auch die gesetzlichen Krankenkassen sehen bis heute
keinen Anlass das preisgünstige Füllungsmaterial nicht zu verwenden und bezeichnen es als „ausreichend und zweckmäßig“.
Doch sollte gerade die Einschränkung der Anwendung von Amalgam bei Schwangeren und Kindern nicht hellhörig
machen? Warum müssen Zahnärzte für teures Geld spezielle Amalgamabscheider in zahnärztliche Praxen einbauen und die aufgefangenen Amalgamreste wie Sondermüll entsorgen, wenn doch von diesem angeblich keine Gefahr
ausgehen? Wird hier nicht eines relativ deutlich sichtbar: es sind zwar keine wissenschaftlichen Beweise erbracht für das gesundheitsschädliche Potential der quecksilberhaltigen Füllung, doch 100% sicher ist man sich da nicht....
Werden sensiblere Meßmethoden und neue Studien irgendwann Beweise liefern?
Ist nun Amalgam so lange als ungefährlich zu bezeichnen, bis seine Gefährlichkeit bewiesen ist?
Wir wollen uns sicherlich nicht an der „Angstmache“ vor Amalgam beteiligen, da wir aufgrund der schon über 100jährigen Anwendung von Amalgam im zahnärztlichen Bereich die mögliche Gefahr für sehr gering halten, doch um
wirklich allem Gefahrenpotential aus dem Weg zu gehen, empfehlen wir auf andere Füllungsmaterialien auszuweichen. Heute gibt es sehr gute Alternativen
. Mit modernen Kompositen (Kunststoffen) können hochwertige Füllungen angefertigt werden, welche (das ist wohl in jedem Fall unbestritten) den großen Vorteil der Zahnfarbe und der damit
deutlich besseren Ästhetik mit sich bringen. Auch laborgefertigte Inlays aus Gold oder Keramik sind zur Versorgung der Zähne möglich. Doch mit der Empfehlung zu Kompositen oder Inlays entsteht eine neue Problematik, da die
gesetzlichen Krankenkassen lediglich eine Versorgung mit Amalgamfüllungen finanzieren. Die Anwendung von Kompositen und Inlays ist jedoch deutlich aufwendiger und die Materialien um ein Vielfaches teurer, so dass eine
Verwendung ohne eine privat zu leistende Zuzahlung seitens des Patienten nicht möglich ist. Die beste Alternative zum Amalgam ist daher nach wie vor die Prophylaxe. Denn ohne Karies wird keine Füllung notwendig und weder die Frage
der Finanzierung noch der Giftigkeit stellen sich.
Zahnärztliche
Gemeinschaftspraxis
Dr. Wolfgang Neuhaus
Dr. Sebastian Schulte
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